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Archiv für Oktober 2011

Morgen ist es schon eine Woche…

Ich weine. Sie fehlt.

So viele Fotos, so viele Erinnerungen…

Die Trauerfeier und Urnenbeisetzung war wunderschön. Ich war froh, daß einige nicht gekommen sind… Und freute mich über die, die gekommen sind, um Mama auf ihrem letzten Weg zu begleiten.

Ich kann nicht schlafen, seit 2 Wochen geht das so.

Bin krank. Morgen zum Arzt: Abklären, ob aus der Erkältung / Bronchitis, die ich hatte, eine Lungenentzündung geworden ist: mein gesamter Brustkorb und Rücken schmerzen…

Kann nicht denken. Muß mir alles aufschreiben, sonst vergesse ich die Hälfte.

Sie fehlt.

Meine Schwester und ich hielten zusammen die Trauerrede für Mama.

Sorella hatte das geschrieben. Ich habe es nicht hingekriegt, war zu verkopft. Sorellas Rede war gut, kam aus dem Herzen.

Wir hielten einander fest umarmt dabei. Ohne meine Schwester hätte ich das nicht geschafft. Beide trugen wir einen Ring am Finger, den Mama zuvor getragen hatte: Sorella den mit der Gemme, ich den mit der englischen Goldmünze mit Königin Elisabeth drauf. Bis zuletzt hatte Mama diese Ringe getragen. Zuerst hatte ich auch Scheu, mir dann diesen Ring auf den Finger zu stecken. Aber Sorella sagte: „Das gibt Dir Kraft!“ Und so war es. Bemerkenswert auch: Bei Sorella und auch bei mir passen die Ringe ganz genau auf die Finger, wo Mama sie auch immer getragen hat: Wir haben die gleichen Hände!

Es war richtig, es war gut so.

Montags, am Vorabend der Trauerfeier, in der Pension, wo ich übernachtet habe dort: Eine Zigarette rauchend, stand ich dort draußen im Garten am Rauchertischchen und schaute in den klaren Sternenhimmel. Rauchte, dachte, sprach mit Mama. Fragte gerade den Polarstern, ob denn wohl morgen alles gut werden würde?! Dann sah ich eine Sternschnuppe. „Alles wird gut!“ Meine Mama hatte mir geantwortet. Mit diesem Gefühl, dieser Gewißheit, mit dieser Freude, weil Mama mir geantwortet hatte, ging ich zu Bett.

Sehr getröstet hat mich auch die Aussage der Mitarbeiterin des Bestatters, die mitgeholfen hat, Mama zurecht zu machen für ihren letzten Weg. „Ihre Mutter hatte so eine Aura! Wunderschön war sie, ganz friedlich. Sowas sehen wir leider nur selten.“ Ich hatte auch Fotos gesehen, Sorella hatte sie für mich gemacht, als Mama aufgebahrt war: Konnte ja nicht dort sein. Hatte es auf den Fotos schon so gesehen. Es aber nochmal zu hören, tat mir gut und half mir sehr.

In meinem Kopfkino waren ja immer noch diesen schlimmen Bilder vom vergangenen Jahr, als Mama todkrank im Krankenhaus lag und ich eine Nacht bei ihr verbrachte. Damals war sie so angstvoll, so ruhelos, so voller Schmerzen. 13 Monate ist das her. Heute denke ich: Diese 13 Monate waren die Zeit, die Mama sich mit eisernen Willen genommen hat, um die Dinge zu klären und Abschied zu nehmen. Mama wußte immer sehr genau, was sie wollte. Sie plante die Dinge. Zu einer Mitbewohnerin im Heim sagte sie: „Meinen 85. Geburtstag mach‘ ich noch, aber dann ist Schluß!“ (Das ist verbrieft!). Und genau so hat Mama es gemacht. Sie starb knapp 4 Wochen nach ihrem 85. Geburtstag.

Hatte nochmal groß gefeiert, viele Menschen, die sie ins Herz geschlossen hatte, waren bei ihr.                           Ich sah sie, umarmte sie zuletzt am 1. August. Es war ein schöner, sonniger Tag. Wir waren spazieren gegangen bzw. schoben Mama im Rollstuhl. Saßen dann in der Sonne im Eiscafè. Daher auch das Foto unter meinem letzten Geschreibsel hier. Der Abschied – und keiner, außer vielleicht Mama, ahnte damals, daß es der letzte Abschied, die letzte Umarmung, das letzte „Ich hab‘ Dich lieb!“ „Ich Dich auch!“ sein würde – war wunderschön, voller Liebe, herzlich und warm, wenn es auch weh tat, wenn auch die Zeit, wie immer ja, viel zu kurz gewesen war…

Es gibt noch so viel zu sagen, zu erzählen. Aber ich schaffe das noch nicht.

Im November kommen Sorella und mein Schwager zu Besuch zu uns. Ich freu‘ mich so sehr darüber!

Hab‘ doch sonst keinen, mit dem ich meine Trauer teilen kann, die vielen Erinnerungen an Mama.

Bin so froh und so dankbar, daß ich meine Schwester habe. Und ein schöneres Zeichen dafür, daß es weitergeht mit uns, als mich jetzt hier zu besuchen, hätte sie mir ja gar nicht geben können!

Gustav Mahler, und die Worte strömten…

Zunächst @ babs: Den Schopenhauer hatte ich mir heute abend auch aus dem Regal gezogen;) Schönes Zitat! Danke dafür! Nachdem Mama ja aber vergangenes jahr schon dem Tod ins Auge geblickt hatte, ich eine Nacht bei ihr im Krankenhaus verbracht habe damals, hat der Tod nicht mehr soviel Erschreckendes an sich und in sich gehabt. Ich denke eher: Der Tod gehört zum Leben.

Aber bevor ich das Schopenhauer-Lesen anfing, schob ich noch ne CD rein: Gustav Mahler, 5. Symphonie. Daraus das Adagietto aus der 5. Abteilung (übrigens auch Filmmusik: „Wenn die Gondeln Trauer tragen“).

Hier: http://youtu.be/VWPACef2_eY

Noch keine 2 Wochen her: Zu Besuch bei meinem väterlichen Freund. Klassik-Radio lief. Dann genau diese Musik. ich sag:“Gustav Mahler!“ Filsi sagt: „Weiß ich nicht genau. Nicht meine Musik!“ (Alleine das schon ein starkes Stück. Filsi, Klassikexperte überhaupt, ist sich nicht sicher. Und ich, obwohl ewig nicht gehört, weiß sofort: Gustav Mahler!). Irre. Es stimmte dann auch noch alles so, wie ich es behauptet hatte. jedenfalls hat es der Radiosprecher so gesagt.

Vor 20 Jahren fand ich diese Musik so wunderschön traurig, daß ich mir vorstellen konnte, es würde auf meiner Trauerfeier gespielt, falls ich denn auch mal sterben sollte… Beim Anhören, vor allem so unerwartet und nicht bestellt neulich beim väterlichen Freund, klang mir das Ganze dann aber doch „etwas sehr pathetisch“.

Wobei mein Filsi meinte, für eine Trauerfeier wäre das durchaus schöne Musik… Egal, ich schweife ab. Jedenfalls heute abend die CD aus dem Regal geholt, nach langer Zeit das Adagietto wieder angehört und…

…dann sprudelte es aus mir heraus!

Zu dieser Musik, außerdem noch Lindenberg: Hinterm Horizont geht’s weiter, Grönemeier: Mensch, Joni Mitchell: Both Sides now, flossen die Worte wie doof.

Habe wirklich binnen 2 einhalb Stunden eine Trauerrede für Mama geschrieben. Zumindest das Gerüst dazu. Ausformulieren kommt dann morgen und / oder die nächsten Tage.

Habe es laut vorgelesen: Rede dauert etwa 10 Minuten.

Könnte also ruhig noch etwas straffer und kürzer sein. Aber das Gerüst, die Grundidee steht. Gestern dachte ich ja noch, es geht gar nicht, hatte nicht die Spur einer Idee: Kopf leer, Herz schwer.

Jetzt 5 DIN A 4-Seiten vollgeschrieben mit Kugelschreiber. (Sowas geht bei mir am besten handschriftlich.). Dito: Idee steht! Am Rest werde ich feilen.

Außerdem heute:

Telefonat mit einer Schwester von Mama, die in Koblenz wohnt. Sie könnte, wenn sie wollte… Will aber nicht und wird auch nicht zur Beerdigung ihrer Schwester kommen. Eine weitere Schwester von Mama auch nicht.

Okay. Die werden schon wissen, was sie tun.

Die dritte Schwester von Mama?Iich tipp‘ mal: Die kommt auch nicht. Hat es ja noch nicht mal geschafft, ihre Schwester im Krankenhaus zu besuchen.

Das sind die Menschen, für die Mama immer da war.

Wär‘ mir ganz lieb, wenn die da weg bleiben würden bei der Trauerfeier. Wenn trotzdem jemand auftaucht: Da hab‘ ich was in meiner Rede eingebaut. Und NEIN! keine Chance: DAS wird nicht rausgekürzt! Ist aber auch noch relativ moderat formuliert. Werde noch „feilen“. Aber ganz rausnehmen: Nö. Wieso auch? Stimmt doch alles. Die Wahrheit darf ich doch sagen?! Will sie sagen. Werde sie sagen.

Das Hesse-Gedicht von gestern werde ich auch reinnehmen, quasi als Abschluß der Rede.

Außerdem heute über eine Stunde mit meiner Schwester telefoniert. Alles ist gut mit uns. Und der Blumenstrauß, den ich ihr geschickt habe (kann ja sonst so Scheiße wenig bzw. nix tun von hier aus!) als kleine Aufmunterung / Highligt, kam heute gut bei ihr an.

Jetzt bin ich müde…

 

 

Nimm‘ Abschied und gesunde!

Ich suche nach Worten. Ziehe Bücher aus dem Regal, blättere in ihnen herum. Googele, rufe Internetseiten auf…

Die eigenen Worte mag ich gerade nicht so sehr, empfinde sie als unzureichend, um auszudrücken, wie ich mich fühle und was ich denke. Aber auch Vieles, was geschrieben steht, genügt mir in meiner aktuellen diffusen Befindlichkeit nicht: Ich hätte es gerne explizit!

Dieses Gedicht von Herman Hesse hingegen mag ich sehr, fühle mich berührt, finde viele meiner aktuellen Gedanken und Gefühle darin wieder:

 

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern In andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde Uns neuen Räumen jung entgegen senden, Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden… Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

 

Das Abschied nehmen von Mama steht mir ja noch bevor. Inzwischen ist sie im Bestattungsinstitut aufgebahrt. Wenn ich könnte, wenn nicht 700 Kilometer dazwischen lägen, würde ich dorthin gehen. Meine Schwester hat mir versprochen, viele Fotos zu machen für mich, weil ich nicht dort sein und Mama nochmals sehen kann.

Am 17.10. ist dann die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung. Da werde ich dabei sein. Habe heute alles gebucht: Bahnfahrkarte, ein Zimmer für mich in der schönen Pension, wo der Göttergatte und ich zuletzt im Juli gewohnt hatten.

Ja: Ich werde alleine zu Mamas Beerdigung reisen.

Ja: Es war schon eine heftige Diskussion, die mein Mann und ich deswegen hatten. (Natürlich hätte ich ihn gerne bei mir gehabt!).

Wir haben uns zwei Tage Zeit genommen, um eine Entscheidung zu finden, die wir beide gemeinsam tragen können.

Was genau da zwischen uns stand und nun ausgeräumt ist? Morgen werde ich berichten.

Privat

Gestern abend um 22.55 Uhr rief meine Schwester mich an. 
Als ich ihren Namen im Display des Telefons sah, wußte ich schon, 
daß sie keine guten Nachrichten für mich haben würde.
Mama ist tot.
Kurz bevor meine Schwester mich anrief, hatte das Krankenhaus sie informiert.
Vergangene Woche schon hatte Mamas Zustand sich verschlechtert. 
Sie hatte schlimme Atembeschwerden, kam deshalb für einen Tag auf die Intensivstation
und wurde dort zeitweise sogar künstlich beatmet.
Ihr Zustand besserte sich aber nochmal soweit, daß sie zurück auf die normale Station
verlegt werden konnte. 
Zuletzt war noch eine Lungenentzündung hinzugekommen.